Die Geschichte des Logenhauses

In den 1880er Jahren war die Anzahl der Logenmitglieder auf etwa 200 angestiegen.
Verschiedene Räumlichkeiten hatte die Loge bis dahin in der Innenstadt angemietet
oder besessen. Doch diese waren zum Schluss deutlich zu klein. Ein neues
Logenhaus sollte errichtet werden. Ein Bruder konnte einen Bauplatz im östlichen
Erweiterungsgebiet außerhalb der alten Stadtmauern zur Verfügung stellen. Es gab
noch nicht einmal eine Straße, diese musste erst gegen eine Kaution von 1.182,00
Mark ab der östlichen Stadtmauerstraße hergestellt werden.


1889
Am 30. Mai 1889 wurde der Bauantrag beim Magistrat eingereicht.
Die Pläne stammen vom Architekten und Logenmitglied Carl Evora aus Nürnberg.

1890
Am 14. / 15. Juni 1890 wurde das Gebäude eingeweiht. Dieses wurde aus
Standsicherheitsgründen 10 m von der Straßenkante zurückgesetzt errichtet, da im
vorderen Bereich eine Sandgrube ausgehoben und wieder verfüllt worden war. Die
1893 fertiggestellte Augenklinik (heute Strahlenklinik) nahm diese Flucht auf. Der
erste Bau der Frauenklinik entstand jedoch schon 1876 zurückversetzt. Wie im
Historismus üblich wurden für die straßenseitige Schmuckfassade Motive von der
Antike über die Renaissance bis hin zum Barock genutzt. Die anderen
Gebäudeseiten hingegen sind ausgesprochen schlicht gehalten worden.
Wahrheit, Recht und Menschenliebe: Diese Worte zieren den Giebel. Und seitdem
rätseln Generationen von Freimaurern, warum genau diese Worte das tun.
Entsprechen die enthaltenen Werte durchaus den Idealen der Freimaurer, kommen
Sie jedoch in dieser Zusammenstellung in der Freimaurerliteratur ansonsten nicht
vor.
Ursprünglich betrat man durch den Portikus das Gebäude. Dort befanden sich links
und rechts des Mittelganges ein Büro, eine Bibliothek und diverse Aufenthaltsräume.
Am Ende führte vor einem großen Speisesaal ein Treppe aus Holz in den ersten
Stock.

um 1900
Auch sportlich und gesellig muss es zugegangen sein. Zumindest stand der Brüdern
lange Zeit eine Kegelbahn im Innenhof zur Verfügung.

1906
Hatte man zu sehr gespart, oder sich verschätzt? In jedem Fall erwies sich die
Deckenkonstruktion über dem Speisesaal als zu schwach und wurde 1906 durch
eine Eisenkonstruktion gesichert.

1928
Ein knappes Vierteljahrhundert später erfolgte der Kanalanschluss des Hauses.
Damit das auch sinnvoll ist, wurden im östl. EG Wasserklosetts eingebaut. Dabei
wurde die Holztreppe in den ersten Stock verändert und durch eine Steintreppe
ersetzt.

1913/14
Von der originalen Innengestaltung ist fast nichts mehr erhalten. Am ältesten ist der
Festsaal, bei den Freimaurern Tempel genannt. Aber auch dieser wurde 1913/14 im
Stil des Neoklassizismus umgestaltet.

Nach 1914
Im ersten Weltkrieg diente das Erdgeschoss als Kriegsverwundetenheim.

1921 – 23
Eine Mensa des Studentenwerks war in dem Gebäude eingerichtet.

1933
Nach Auflösung der Loge und Beschlagnahmung des Logenhauses wurde in dem
Gebäude ein Antifreimaurermuseum eingerichtet. Aus Nürnberg wurden extra
Teilnehmer der Reichsparteitage herbei gefahren, um die verleumderische Sicht der
Nationalsozialisten auf die Freimaurer zu zeigen.

1945 – 50
Das Logenhaus war bis 1950 Sitz des Ev. Hilfswerkes. Doch bereits ab 1947 konnte
die Loge teilweise das Haus nutzen. In dessen Räumen wurde 1948 der
Großlogentag der Großloge „Zur Sonne“ ausgerichtet.

1950
Die Loge erhielt nun auch juristisch das Logenhaus zurück. Das Erdgeschoss wurde
aus finanziellen Gründen an die akademische Sängerschaft Fridericiana vermietet.

1958
Der Seiteneingang im Westen wurde errichtet, über den das Obergeschoss und der
Saal im Erdgeschoss einen separaten Zugang erhielten. Die Sängerschaft nutzte
dies, um den Zugang über den Portikus zu schließen und den Gang als Clubraum zu
nutzen. Der Saal im Erdgeschoss wurde an eine Tanzschule vermietet.

1983
Da sich der Portikus gesenkt hatte, wurde er abgetragen, auf einem neuem
Fundament wieder errichtet und bildet seitdem wieder den Zugang in die vorderen
Räume des Erdgeschosses, die zu Büroräumen umgestaltet und vermietet wurden. .
Die Tür an der Seite des Hauses konnte geschlossen werden.

2000
Unter anderem weil die Dachneigung recht gering war, gestattete das Denkmalamt,
dass das Dach nicht wie einst geplant mit Schiefer, sondern mit roten Ziegeln neu
gedeckt wurde.

2006
Die Außenarbeiten mit Kanalsanierung, neuer Pflasterung und Bepflanzung des
Vorgartens waren soweit abgeschlossen, die Loge konnte sich nun ihren Räumen im
Obergeschoss widmen. Der erste Raum war das große Clubzimmer, dessen Wände
und Decke, Beleuchtung renoviert wurden und dessen Holzboden freigelegt wurde.
In den Jahren darauf folgten die Küche und die Toiletten. Können Frauen bei uns
auch nicht Mitglieder werden, so wurde dennoch ein separates Damen-WC
eingerichtet.

2011
Der Dachstuhl war für den Holzbock unwiderstehlich. Mit erheblichen Aufwand wurde
der Schädling bekämpft und der Dachstuhl saniert.


2014 / 2015
Der Eingangsbereich an der Westseite war in die Jahre gekommen. Feuchtigkeit
hatte dem Beton der Decke sehr zugesetzt. So wurde entschieden, den
Eingangsbereich durch eine höhere und hellere Konstruktion zu ersetzten. Zum 125.
Geburtstag des Logenhauses sollte diese fertig sein, was auch gelang.

Quellen:
· Erlanger Stadtlexikon (Verlag W. Tümmler) 2002
· 250 Jahre Freimaurer Erlangen, Festschrift 2007
· Festschrift 100 Jahre Logenhaus
· Geschichte der Loge Libanon zu den 3 Cedern im Orient Erlangen 1757 bis 1907
· Bilder und Texte von Br. Harald Tietze